Trachten

Männertrachten: farbenfroh präsentiert sich die Sennentracht im Alpsteingebiet. Die Trachten der beiden Appenzeller Kantone und des Toggenburgs unterscheiden sich nur in den Stickereimotiven auf der roten Weste, Brusttuch, genannt. Zur Sennentracht trägt der Senn die braune Halbleinenhose. Zur Sennenfesttagstracht gehört die enganlie­gende lederne Kniehose, die Gääle. Beide Hosen schmückt eine silberne Uhren­kette mit Münzen und Medaillen sowie Hosenträger mit Kuhmotiven auf Messing­beschlä­gen. Ein ebensolches Motiv ziert die silbernen Schuhschnallen der schwar­zen Trach­ten­schuhe. Leuchtend weiss sind Kniestrümpfe und Hemd. Auf das Hemd ist ein ge­stickter Alpaufzug, der Chüelisteg, genäht. Weiter zur Tracht gehört die Ohre­schueffe, ein Ohrring mit einer kleinen, an einem kurzen Kettchen mit Schlangen­kopf befestigten Rahmkelle. Auf dem Kopf sitzt ein schwarzes, am Rand durchbro­chenes und farbig unterlegtes Lederkäppi oder ein schwarzer mit bunten Blumen verzierter Filzhut. Vor Kälte schützt die langärmlige, gefütterte Fueter­schlotte, eine gelbe, bestickte Leinenjacke. Zu beiden Trachten trägt der Senn einen vergoldeten Kragenknopf, Brosche ge­nannt.

Die Appenzeller Sonntagstracht ist ganz in braun. Dazu gehören das unbestickte Brusttuch sowie der Kittel und die Hose aus Halbleinen, der schwarze Fladenhut und ein schwarzer Kragenknopf.

Die typische Alltagspfeife ist das Lindauerli mit seinem silbernen Deckel.

Frauentrachte: gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschwand die traditionelle Ausserrhoder Frau­enbekleidung fast völlig. Infolge des aufkommenden Nationalgefühls und Heimat­bewusstseins Anfang des 20. Jahrhunderts begannen Heimatschutz- und Trachten­vereinigungen ein modeunabhängiges „Kleid der Heimat“ zu schaffen. 1925 gestal­tete der Herisauer Maler Paul Tanner (1882-1934) die noch heute getragenen Aus­serrhoder Sonntags- und Werktagstracht neu. Bei der Sonntagstracht trägt die Aus­serrhoderin über der weissen Bluse ein schwarzes Tüllfichu mit Kettenstichverzie­rungen und ein tief ausgeschnittenes Seidenmieder mit Trägern. Dazu gehört ein längsgestreifter Wollrock, Jupe genannt, eine schillernde Seidentaft­schürze und eine schwarze Seidenhaube mit Tüllflügeli und weisser Randspitze. Der schlichte Fili-granschmuck lässt den Standesunter­schied erkennen: Silber für die Ledigen, Gold für die Verheirateten. Die Werktagstrachten, ein Gestaltrock mit weisser Bluse, sind in der Schweiz allgemein sehr ähnlich. In Ausserrhoden weist der Jupe oft ein Strei­fen- und Punktmuster, den Nollen, in Plattstichweberei auf. Diese Art der Weberei mit Stickerei ähnlichen Motiven, wurde seit den 1830er Jahren bis in die erste Hälfte des zwanzigsten Jahr­hun­derts im Appenzeller Hinter- und Mittelland in Heimarbeit ge­wobe­nen und in die ganze Welt exportiert.

 

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