Senntumsschnitzerei

Die Senntumsschnitzerei, zu Beginn Chüelischnitzerei genannt, hat sich im 20. Jahr­hundert aus dem winterlichen Zeitvertreib des Schnitzens von Spielzeugkühen oder von Szenen für Chlausenhauben entwickelt.

Zu den Vorläufern der Appenzeller und Toggenburger Senntumsschnitzerei dürfen die sogenannten Beinkühe, Bechüe, gezählt werden. Diese sind kuhähnliche, aus ei­nem Ast gefertigte Objekte mit nur zwei Beinen. Dabei dienen Astverzweigungen als Beine und Hörner. Der Begriff Beinkühe leitet sich jedoch nicht von diesen Astkü­hen ab, sondern vom Wort Bein, einer alten Bezeichnung für Knochen. Kühe aus Kuhknochen waren über Jahrhunderte ein beliebtes Spielzeug für Kinder.

Die Schnitzer stammen bis heute vorwiegend aus dem Bauernmilieu. Sie kennen das Bauernleben aus eigener Erfahrung. Ihre Figuren zeugen davon. Als Material wird über Jahrzehnte Lindenholz verwendet. Die heutigen Kunsthandwerker bevorzugen das ölige, noch weichere Arvenholz. Mit der Säge werden die Formen für die Figuren vorgefertigt. Geschnitzt wird mit einem Schnitz-, Taschen-, Teppichmesser oder ei­nem eigens hergestellten Messer.

Anfänglich werden hauptsächlich Alpfahrten gefertigt. Mit der Zeit kommen wei­tere Szenen aus Brauchtum und bäuerlichem Alltag hinzu. Dargestellt werden Silves­ter­chläuse, Blochfahrten, Musik- und Tanzgruppen, Feilträger, Alpkäsereien, Bau­ern­stuben oder Brutfuederträgete.

Anders als die Bauernmalerei, bleibt die Senntumsschnitzerei für die Öffentlichkeit lange unbekannt. Erst in den 1980er Jahren erhält sie schweizweite Aufmerksamkeit und wird zum beliebten Sammelobjekt.

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