Streichmusik

Wie andern Orts wurde bis Ende des 17. Jahrhunderts auch im Appenzellerland hauptsächlich mit Trommeln, Pfeifen, Dudelsack und Schalmeien musiziert. Im 18. Jahrhundert spielten anfänglich Geige und Hackbrett zum Tanz auf, später kamen Basset, ein bassgeigenähnliches Saiteninstrument, oder Bassgeige hinzu. Zwischen 1860 und 1896 wurde das Quartett Appenzell mit Basset, zwei Geigen und Hackbrett bekannt, das als Vorgängerformation der Original-Appenzeller-Streichmusik gese­hen wird. 1884 setzte sich mit der „Urnäscher Streichmusik“ erstmals ein Quintett aus zwei Geigen, einem Hackbrett, einem Cello und einem Kontrabass zusammen.

Original Appenzeller Streichmusik: diese Fünferformation der Musikinstrumente gilt heute als Appenzeller Streichmu­sik in Originalbesetzung. Die „Urnäscher Streichmusik“ wurde später zur „Streich­musik Alder“, die vor allem in der dritten Generation durch Ulrich Alder, seinem ältesten Sohn Hansueli, Emil Zimmermann, Erwin und Arthur Alder mit ihren in­ternationalen Auftritten weltberühmt wurde.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Zusammensetzung der Musikgruppen. Das Akkordeon ersetzte die zweite Geige und das Cello. Heute sind verschiedenste weitere For­mati­o­nen möglich. Zu ihrem Spiel singen die Musikanten selbst. Auf Ausland­tourneen wurden sie früher auch von Jodlerinnen begleitet.

Schellenschötten: zur Appenzeller Musik gehört auch das Schellenschötten und das Talerschwingen. Beim Schellenschötten werden drei Senntumsschellen von zwei Sennen durch kon­trollierte rhythmische Bewegungen zum Klingen gebracht.

Talerschwingen: das Talerschwingen wird im Appenzellerland und im Toggenburg ungefähr ab 1930 ausgeübt. Dabei wird ein Fünfliber, ein Fünffrankenstück, in ein tönernes, leicht ko­nisches Milchbecken so angerollt, dass das Geldstück auf seiner Kante durch eine leichte Drehbewegung der Hand am Beckenrand entlang rollt und so einen Klang erzeugt. Eine leichte Drehbewegung der Hand hält die Münze in Schwung. Üblich ist das Zusammenspiel, Gspil genannt, mit drei unterschiedlich grossen Schüsseln, die auf einen harmonischen Dreiklang abgestimmt sind.

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